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Brief an das Bundesministerium für Finanzen

Erfahrungsbericht   Bildrechte: LBZH Hildesheim
Mein Name ist Justin P. und ich vollziehe gerade die Vollausbildung zum gelernten Gesellen in Fachrichtung Metallbau im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim (LBZH). Zuvor habe ich die Ausbildung im Bereich Fachpraktika zum Junggesellen abgeschlossen und stehe jetzt vor meine Abschlussprüfung für den fachgelernten Gesellen. Dies ist meine Erfahrung, die ich in der Zeit bis jetzt erlebt habe.

Im Sommer 2018 wurden über den Caritas Verband für den LK Peine, mittels der Agentur für Arbeit ein paar Tests durchgeführt, wodurch bei mir eine Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) diagnostiziert wurde. Unter einer Auditiven Wahrnehmungsstörung (AVWS) versteht man Probleme beim Hören, ohne dass das Ohr geschädigt ist. Das schlechte Hören resultiert daraus, dass das Gehörte nicht richtig weiterverarbeitet wird.

Dank dem Personal vom Caritas Verband bekam ich im Frühling 2019 im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Hildesheim einen Besuchstermin und konnte mir dadurch einen ersten Eindruck einholen, wie es dort aussah. Bei dem Rundgang im LBZH habe ich erfahren, was es für Berufsmöglichkeiten gibt und was alles möglich ist bei den einzelnen Berufen. Vor allem hat es mich am meisten interessiert, wie das überhaupt funktionieren kann.

Nachdem ich im Frühling 2019 meine Schulzeit im Caritas Verband absolviert habe, habe ich im August 2019 im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Hildesheim die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BVB) gestartet. Eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BVB) ist ein Angebot der Agentur für Arbeit, das dir weiterhilft, wenn du noch nicht weißt, welcher Beruf zu dir passt: Indem du verschiedene Berufsfelder und unterschiedliche Betriebe kennen lernst, findest du heraus, welcher Beruf der richtige für dich sein könnte. Nachdem ich mir einmal alle Werkstätten und damit die Berufszweige angeschaut habe, hatte ich mich entschieden in den Bereichen Gärtnerei, Tischlerei und Metallbauer rein zu schnuppern. Als dann alles geklärt, die Dokumente nochmal überprüft und unterschrieben wurden, kam dann der Einzug ins Internat.

Als ich in das Internat einzog, bekam ich Hilfe von den Erziehern und den Bewohnern, die Kisten, Tasche und meinen Sessel in das Zimmer, das ich mir aussuchen konnte, rein zutragen und bekam eine Führung von den Erziehern und Mitbewohnern, dass ich mich zurechtfinden konnte. Die ersten Nächte und Tage im Internat waren für mich ungewohnt, da dies für mich eine komplett neue Umgebung war und was anderes als zu Hause war. Dank den Erziehern und den Mitbewohnern konnte ich mit der Zeit das Internat als ein zweites Zuhause sehen und wusste, dass ich immer jemanden habe, der ein offenes Ohr für mich hat, wenn ich nicht zuhause bin und ich dadurch neue Freunde kennen gelernt habe.

Während meiner Zeit im BVB habe ich als erstes die Gärtnerei angeschaut und habe während den ersten vier Wochen gemerkt, dass die Arbeit zum Gärtner mir nicht in der Hand liegt. Als nächstes war ich in der Tischlerei und habe gemerkt, dass das handwerkliche eher was für mich ist, ich war aber noch nicht ganz überzeugt und wollte erst mal abwarten wie Metallbauer wird. Nachdem die zwölf Monate und damit die BVB Zeit herum war, konnte ich mich nicht zwischen Tischlerei und Metallbauer nicht entscheiden, da beides im handwerklichen Berufsfeld ist und mich beides interessiert hat.
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Nach einem Gespräch zusammen mit dem sozialpädagogischen Dienst und der Agentur für Arbeit wurde die BVB Zeit um dreieinhalb Monate verlängert, dass ich bei der Tischlerei und Metallbauer jeweils sieben Wochen nochmal hinein blicken konnte.
Als dann die BVB Zeit herum war, wusste ich, dass ich die Ausbildung zum Fachpraktiker in Fachrichtung Metallbauer machen werde, da es mich interessiert hat, wie Brücken, Bahnhöfe, Achterbahnen, usw. konstruiert werden und zusammen gehalten werden und was alles möglich ist, zu konstruieren.

Im Februar 2021 habe ich die Ausbildung zum Fachpraktiker angefangen und wurde von dem Meister und den anderen Auszubildenden in der Werkstatt herzlich empfangen offiziell eingewiesen und habe schnell gemerkt, wie lustig es wurde mit den anderen Azubis während der Arbeit und wie chaotisch sie manchmal waren. Ich wusste, dass ich noch viel zu lernen hatte und vieles an Techniken von den anderen Auszubildenden auch lernen konnte. Es gab auch Situationen, wo ich bei den anderen aushelfen sollte, wo ich aber noch keine Erfahrung hatte und es dem entsprechend etwas schwierig für mich wurde, wir es aber trotzdem gemeistert haben. Auch gab es Situationen, wo wir zu viert gemeinsam anpacken mussten, da unsere Maschinen und Handwerkzeuge einen hohen Verschleiß haben und immer wieder repariert oder erneuert werden mussten, was zum Teil nicht einfach war, aufgrund des hohen Alters und manche Bauteile nur schwer zu lösen gingen.

Nachdem ich mit der Zeit auf auch schon ein paar der Grundlehrgänge hatte und immer mehr mit den Maschinen arbeiten durfte, war ich dann ein Jahr der einzige Auszubildende in der Metallwerkstatt, da die anderen Azubis ihre Abschlussprüfung hatten und ihre Lehre damit beendet hatten. Mit der Zeit bekamen wir dann neue Maßnahmeteilnehmer in die Werkstatt und ich konnte mein Fachwissen, das ich in der Zeit ansammeln konnte an sie weitergeben und ihnen einen Einblick in unsere Berufswelt geben.

Nach zwei Lehrjahren kam dann die Zwischenprüfung auf mich zu, die ich bestanden hatte, dann ging es weiter mit der Ausbildung und dann kamen auch mit der Zeit größere Aufträge an und ich habe für das Gelände des LBZH eine Lümmel-Bank gebaut. Damit Sie sich vorstellen können, was eine Lümmel-Bank ist, beschreibe ich es für Sie. Eine Lümmel-Bank besteht aus drei oder mehreren Edelstahlrohren, auf Wunsch der Kunden (Edelstahl ist eine Stahlsorte, die aufgrund ihrer Art der Herstellung in einem Stahlwerk, nicht rosten kann und wird oft im Haushalt verwendet wie unser Besteck oder Töpfe oder ähnlichem), die in einem hohen Umfang von mehreren Metern gebogen sind, vom Abstand und Höhe voneinander wie eine Treppe aufgebaut ist und von drei Beinen gestützt werden, zwei auf jeder Seite der Rohre und ein drittes auf halben Weg des Umfangs für das oberste Rohr. Über diesen Auftrag freue ich mich, dass dieser gelungen ist und von den Schülern der allgemeinbildenden Schule genutzt wird. Mit der Zeit rückte auch die Abschlussprüfung näher und ich wusste dann mit der Zeit das ich die Vollausbildung noch absolvieren möchte, wenn ich es mit der Abschlussprüfung einen Notenschnitt von 2.0 schaffe. Mit guter Vorbereitung schaffte ich es dann auch durch die Abschlussprüfung im Sommer 2024 und war damit offiziell gelernter Junggeselle im Metallbau.

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Seit ich die Vollausbildung im August Sommer 2024 angefangen habe, wohne ich nicht mehr im Internat und pendele jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln mit Bus und Bahn, was für mich noch zeitlich machbar ist, um pünktlich in der Werkstatt anzukommen, was allerdings in den Wintermonaten noch erschwerter ist. Aufgrund der sehr niedrigen Temperaturen und der Bildung von Schnee, Eis und Glätte auf den Straßen und Schienen kommt es regelmäßig zu Zugausfällen, verspäteten Bussen und kurzfristigen Streckensperrungen, wodurch es für die öffentlichen Verkehrsmittel noch komplizierter ist, ihre Fahrpläne einzuhalten. Aufgrund der maroden Streckensysteme kommt es bereits zu Verspätungen, kurzfristige Zugausfälle, regelmäßige Bauarbeiten, Gleisänderungen sowie unzuverlässiger oder unübersichtlichem Schienenersatzverkehr.

Andere Maßnahmeteilnehmer so wie auch ich, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pendeln müssen, stehen im Winter schon frühmorgens im Dunkeln an Haltestellen oder Bahnsteigen – bei Kälte, Schnee und unsicheren Wegen -, da digitale Anzeigen oft unvollständig sind, verspätet oder bei Störungen ausfallen. Das führt dazu, dass wir Anschlüsse verpassen, lange in der Kälte warten müssen oder uns in fremden Bahnhöfen orientierungslos fühlen. Gleichzeitig steigt der psychische Druck, pünktlich zur Schule oder in die Werkstätten zu kommen, um keine Fehlzeiten oder Nachteile zu riskieren. Diese täglichen Belastungen führen bei vielen von uns zu Erschöpfung, Stress und gesundheitlichen Problemen. Statt uns auf den Unterricht zu konzentrieren, müssen wir unsere Energie für den Weg dorthin aufbringen.

Aus meiner Zeit im Internat habe ich erfahren das viele Teilnehmer von weiter weg gekommen sind wie Wolfsburg, Osnabrück, Göttingen, Magdeburg, usw. Und da ich immer noch Kontakt mit dem Internatsleiter habe, weiß ich das es viele Anmeldungen zum Internat gibt, was auch zeigt, das es eine Nachfrage gibt zu einer Ausbildung im LBZH, was für viele aber nicht möglich ist und lange warten müssen bis im Internat ein Platz frei wird, weil es sich um viele junge Erwachsende ab 18 Jahren oder darüber handeln die eine Ausbildung starten möchten, die Internatsplätze immer weniger werden und viele aus ländlichen Regionen oder entfernteren Teilen Niedersachsens kommen, in denen die öffentlichen Verkehrsmittel entweder gar nicht oder nur mit sehr großem Zeitaufwand verfügbar sind. Tägliches Pendeln ist daher in vielen Fällen schlicht unmöglich.

Ich befinde mich jetzt in meiner Abschlussprüfung zum fachgelernten Gesellen und mit Bestehen der Prüfung ist meine Lehre beendet, auch wenn ich wollte, dass die Lehre nicht zu Ende geht und mit den anderen Azubis zu bleiben, um ihnen mein Fachwissen weiter zu geben, so bleibt leider die Zeit nicht stehen. Ich bedanke mich bei Ihnen, dass Sie Ihre Zeit genommen haben und meinen Bericht seitens des Maßnahmeteilnehmers des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte Hildesheim durchgelesen haben und sich dadurch einen Einblick aus unserer Sicht ermöglichen können.

Mit freundlichen Grüßen

Justin P.
Maßnahme Teilnehmer zur Vollausbildung im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Hildesheim
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