Brief an das Bundesministerium für Finanzen
Nach einem Gespräch zusammen mit dem sozialpädagogischen Dienst und der Agentur für Arbeit wurde die BVB Zeit um dreieinhalb Monate verlängert, dass ich bei der Tischlerei und Metallbauer jeweils sieben Wochen nochmal hinein blicken konnte.
Als dann die BVB Zeit herum war, wusste ich, dass ich die Ausbildung zum Fachpraktiker in Fachrichtung Metallbauer machen werde, da es mich interessiert hat, wie Brücken, Bahnhöfe, Achterbahnen, usw. konstruiert werden und zusammen gehalten werden und was alles möglich ist, zu konstruieren.
Im Februar 2021 habe ich die Ausbildung zum Fachpraktiker angefangen und wurde von dem Meister und den anderen Auszubildenden in der Werkstatt herzlich empfangen offiziell eingewiesen und habe schnell gemerkt, wie lustig es wurde mit den anderen Azubis während der Arbeit und wie chaotisch sie manchmal waren. Ich wusste, dass ich noch viel zu lernen hatte und vieles an Techniken von den anderen Auszubildenden auch lernen konnte. Es gab auch Situationen, wo ich bei den anderen aushelfen sollte, wo ich aber noch keine Erfahrung hatte und es dem entsprechend etwas schwierig für mich wurde, wir es aber trotzdem gemeistert haben. Auch gab es Situationen, wo wir zu viert gemeinsam anpacken mussten, da unsere Maschinen und Handwerkzeuge einen hohen Verschleiß haben und immer wieder repariert oder erneuert werden mussten, was zum Teil nicht einfach war, aufgrund des hohen Alters und manche Bauteile nur schwer zu lösen gingen.
Nachdem ich mit der Zeit auf auch schon ein paar der Grundlehrgänge hatte und immer mehr mit den Maschinen arbeiten durfte, war ich dann ein Jahr der einzige Auszubildende in der Metallwerkstatt, da die anderen Azubis ihre Abschlussprüfung hatten und ihre Lehre damit beendet hatten. Mit der Zeit bekamen wir dann neue Maßnahmeteilnehmer in die Werkstatt und ich konnte mein Fachwissen, das ich in der Zeit ansammeln konnte an sie weitergeben und ihnen einen Einblick in unsere Berufswelt geben.
Nach zwei Lehrjahren kam dann die Zwischenprüfung auf mich zu, die ich bestanden hatte, dann ging es weiter mit der Ausbildung und dann kamen auch mit der Zeit größere Aufträge an und ich habe für das Gelände des LBZH eine Lümmel-Bank gebaut. Damit Sie sich vorstellen können, was eine Lümmel-Bank ist, beschreibe ich es für Sie. Eine Lümmel-Bank besteht aus drei oder mehreren Edelstahlrohren, auf Wunsch der Kunden (Edelstahl ist eine Stahlsorte, die aufgrund ihrer Art der Herstellung in einem Stahlwerk, nicht rosten kann und wird oft im Haushalt verwendet wie unser Besteck oder Töpfe oder ähnlichem), die in einem hohen Umfang von mehreren Metern gebogen sind, vom Abstand und Höhe voneinander wie eine Treppe aufgebaut ist und von drei Beinen gestützt werden, zwei auf jeder Seite der Rohre und ein drittes auf halben Weg des Umfangs für das oberste Rohr. Über diesen Auftrag freue ich mich, dass dieser gelungen ist und von den Schülern der allgemeinbildenden Schule genutzt wird. Mit der Zeit rückte auch die Abschlussprüfung näher und ich wusste dann mit der Zeit das ich die Vollausbildung noch absolvieren möchte, wenn ich es mit der Abschlussprüfung einen Notenschnitt von 2.0 schaffe. Mit guter Vorbereitung schaffte ich es dann auch durch die Abschlussprüfung im Sommer 2024 und war damit offiziell gelernter Junggeselle im Metallbau.
Andere Maßnahmeteilnehmer so wie auch ich, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pendeln müssen, stehen im Winter schon frühmorgens im Dunkeln an Haltestellen oder Bahnsteigen – bei Kälte, Schnee und unsicheren Wegen -, da digitale Anzeigen oft unvollständig sind, verspätet oder bei Störungen ausfallen. Das führt dazu, dass wir Anschlüsse verpassen, lange in der Kälte warten müssen oder uns in fremden Bahnhöfen orientierungslos fühlen. Gleichzeitig steigt der psychische Druck, pünktlich zur Schule oder in die Werkstätten zu kommen, um keine Fehlzeiten oder Nachteile zu riskieren. Diese täglichen Belastungen führen bei vielen von uns zu Erschöpfung, Stress und gesundheitlichen Problemen. Statt uns auf den Unterricht zu konzentrieren, müssen wir unsere Energie für den Weg dorthin aufbringen.
Aus meiner Zeit im Internat habe ich erfahren das viele Teilnehmer von weiter weg gekommen sind wie Wolfsburg, Osnabrück, Göttingen, Magdeburg, usw. Und da ich immer noch Kontakt mit dem Internatsleiter habe, weiß ich das es viele Anmeldungen zum Internat gibt, was auch zeigt, das es eine Nachfrage gibt zu einer Ausbildung im LBZH, was für viele aber nicht möglich ist und lange warten müssen bis im Internat ein Platz frei wird, weil es sich um viele junge Erwachsende ab 18 Jahren oder darüber handeln die eine Ausbildung starten möchten, die Internatsplätze immer weniger werden und viele aus ländlichen Regionen oder entfernteren Teilen Niedersachsens kommen, in denen die öffentlichen Verkehrsmittel entweder gar nicht oder nur mit sehr großem Zeitaufwand verfügbar sind. Tägliches Pendeln ist daher in vielen Fällen schlicht unmöglich.
Ich befinde mich jetzt in meiner Abschlussprüfung zum fachgelernten Gesellen und mit Bestehen der Prüfung ist meine Lehre beendet, auch wenn ich wollte, dass die Lehre nicht zu Ende geht und mit den anderen Azubis zu bleiben, um ihnen mein Fachwissen weiter zu geben, so bleibt leider die Zeit nicht stehen. Ich bedanke mich bei Ihnen, dass Sie Ihre Zeit genommen haben und meinen Bericht seitens des Maßnahmeteilnehmers des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte Hildesheim durchgelesen haben und sich dadurch einen Einblick aus unserer Sicht ermöglichen können.
Mit freundlichen Grüßen
Justin P.
Maßnahme Teilnehmer zur Vollausbildung im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Hildesheim

